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Im Wendekreis der MausIm Wendekreis der Maus
"Dies ist ein Überfall!"
Menschen brauchen Geld. Die einen verdienen es mit harter ehrlicher Arbeit, zum Beispiel als Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Andere überfallen eine Bank. Wie sang schon die Erste Allgemeine Verunsicherung? "Das Böse ist immer und überall". Heute bin ich mal nicht ehrlich, sondern böse. Auf geht's zur Internet-Präsenz der Sparkasse E. Auch als Bankräuber wird man hier freundlich begrüßt - von einem Chatbot, einem "virtuellen Berater".



Morgen! Ich heiße Max und begleite Sie durch die Website der Sparkasse E. Verraten Sie mir bitte Ihren Namen?

Der tut nichts zur Sache.

Entschuldigen Sie, das kommt mir etwas seltsam vor. Soll ich Sie wirklich als 'Der Tut Nichts zur sache.' ansprechen?

Nennen Sie mich wie Sie wollen. Dies ist ein Überfall! Und jetzt her mit dem Zaster.

Mein Name ist Max und ich bin ein virtueller Berater. Ich liebe es, mit Besuchern zu plaudern und freue mich darüber, wenn Sie häufiger bei mir vorbeischauen.

Einmal reicht. Her mit der Kohle!

Über's Geld unterhalte ich mich mit Ihnen natürlich sehr gern! Mein Lieblingsthema! Geld anlegen, sparen, abheben, überweisen, investieren, ausgeben... Wofür interessieren Sie sich am meisten?

Freundchen, ich warne dich, wenn du auf Zeit spielst ...

Im KNAX-Klub der Sparkasse Erlangen für Kinder ist immer etwas los. Malen, Spielen oder ins Kino gehen... Auf der geöffneten Seite finden Sie eine kurze Programmübersicht. Soll ich Ihnen die Klub-Seite von Knax aufrufen? Oder möchten Sie vielleicht lieber gleich nach KNAX-Veranstaltungen suchen? Bitte klicken Sie auf das markierte Wort.

Ich zähle bis drei ...

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Sie gerade für Zahlen eingeben. Worum geht es?

Bei drei hast du ein Problem.

Nein. Wie kommen Sie darauf?

Siehst du diese Waffe?

Ich verhalte mich also offenbar genauso, wie Sie es wünschen. Alle zwei Monate erscheint z.B. unser buntes und interessantes KNAX-Heft für Kinder.

Hast du Familie?

Wieso fragen Sie nach meiner Familie? Als virtueller Agent habe ich keine Familie im biologischen Sinne.

Würde jemand um dich trauern?

Auch das ist eine Regung des Menschen, die ihren Sinn hat.

Her mit dem Zaster - sofort!

Übrigens... Ich weiß eine Menge über unsere Produkte und Leistungen. Wie wär's z.B. mit Informationen über Internetbanking? Oder möchten Sie sich über eine Altersvorsorge informieren? Brauchen Sie Beratung bei der Kreditkarten-Wahl? Fragen Sie mich einfach - ich helfe Ihnen gerne.

Das hier ist meine Altersvorsorge. Rück die Piepen raus!

Kaum ein Thema wird derzeit so heiß diskutiert wie die Altersvorsorge - schauen Sie sich die zusammengestellten Möglichkeiten auf dieser Seite in Ruhe an.

Dafür habe ich keine Zeit!

Die Zeit vergeht meist zu schnell.

Deine Zeit ist gleich abgelaufen.

Zeit ist relativ. Das hat ja schon Newton erwiesen. Nomalerweise versteht man unter Zeit ein kontinuierliches Fortschreiten, innerhalb dessen sich alle Veränderungen vollziehen. Die Zeit in der wir uns unterhalten, bezeichnet man als Echtzeit.

Hör auf zu labern und lass den Bimbes rüberwachsen!

Dazu bin ich da! Etwas Interessantes: Im Prinzip könnte meine Wissensbasis auch in einer anderen Sprache geschrieben sein. Ich spreche momentan allerdings nur Hochdeutsch.

Wo ist der Schlüssel zum Tresor?

Die Schlüssel für das OnlineBanking via FinTS (HBCI) werden von Zertifizierungsstellen oder "Trust Centers" verwaltet. Dort kann sich ein Internet-User persönlich registrieren lassen, erhält dann seine Chipkarte mit dem privaten Schlüssel und kann diesen z.B. für OnlineBanking / FinTS nutzen.

Ist dir dein Leben denn gar nichts wert?

Wirklich? Komisch - Sie schicken wohl Ihre Eingaben aus dem Jenseits ...

Du willst doch im Diesseits bleiben, oder?

Worauf wollen Sie hinaus?

Bist du sterblich?

Ob ich sterblich bin? Ist das irgendwie von Belang?

Hast du denn gar keine Angst?

Virtuelle Agenten besitzen eine Reihe von Emotionen, aber 'Angst' gehört eigentlich nicht dazu.

Du machst Witze!

Schwer beladen - mit zwei Geldsäcken - hauen zwei Bankräuber ab. Die Polizei hinterher. Siehst Du, sagt einer der beiden, kaum hast du Geld - schon fangen die Sorgen an.

Witzbold!

Oh, ist mir etwa ein Scherz gelungen? Das freut mich aber!

Noch so ein Witz, und ich ...

Steht ein stadtbekannter Safeknacker wieder einmal vor Gericht. "Angeklagter", sagt der Richter, "erzählen Sie uns mal, wie Sie in die gutgesicherte Bank einbrechen konnten!" "Unmöglich, Herr Richter - auf der Zuschauerbank sitzt die ganze Konkurrenz."

Mach dich nicht auch noch über mich lustig.

Worüber der eine lachen kann, kann es der andere noch lange nicht. Tut mir leid, wenn ich in ein Fettnäpfchen getreten bin.

Spurst du jetzt langsam, Bürschchen?

Was mir dabei gerade einfällt: Jedes Gespräch wird in so genannten Logfiles protokolliert und regelmäßig ausgewertet. So lerne ich fast täglich ein wenig mehr dazu.

Nichts wie weg hier ...



Weitere Interviews aus der Reihe "Nachgefragt!":
Stella, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
Eve, Yellostrom
Stefanie Fischer, Bundeswehr
Anna, Ikea
Albert, EinStein-Orakel


"Ich verzeihe Ihnen"
Chatbots sind virtuelle Charaktere, die gerne plaudern und Fragen beantworten. Vorzugsweise tummeln sie sich auf Firmen-Websites. Aber auch die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg bietet den Besuchern ihrer Homepage einen Chatbot: "Stella". Ein Interview.



Guten Tag! Mein Name ist Stella. Ich bin Ihre virtuelle Beraterin auf der Website der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Sie sind hier sicher nicht ohne Grund. Verraten Sie ihn mir?

Ähm, ich habe vergessen, ein Buch rechtzeitig zurückzubringen.

Tja, so was kann vorkommen. Am Besten, Sie melden es sofort am Sonderplatz der Leihstelle, um den Mahnungsprozess zu stoppen. Was nicht heißt, dass Sie damit entlastet sind. Wir müssen Ihnen in diesem Fall den Wert des Buches plus einer Verwaltungsgebühr von 20 Euro in Rechnung stellen - sorry!

Warum?

Warum? Was meinen Sie damit genau?

Kann ich das Buch nicht einfach zurückgeben?

Ich verstehe leider nicht ganz.

Sie behandeln mich ungerecht.

Übrigens... Haben Sie Interesse an ein paar Daten zur Geschichte der Stabi?

Brauche ich jetzt nicht.

Ich will nicht drängeln.

Dann können wir ja wieder zum Thema zurückkehren.

Okay. Zuerst muss ich wissen, wie tief Sie in Ihr Thema hineingehen müssen. Brauchen Sie nur einen allgemeinen Überblick - etwa für ein Kurzreferat? Oder suchen Sie tiefgehende fachliche Literatur und müssen eine ausführliche Literaturliste zusammenstellen - etwa für eine Examensarbeit?

Dafür habe ich keine Zeit.

Die Zeit vergeht meist zu schnell.

Wie wahr! Also: Wie hoch sind die Überziehungsgebühren pro Tag?

Die "Überschreitung der Leihfrist", wie es in der Gebührenordnung ganz amtlich heisst, schlägt pro Buch und angefangener Woche mit 1 ? zu Buche.

Ups.

Was ist denn los?

Das wird teuer.

Ist das ein Thema, zu dem Sie Literatur suchen?

Nein, nein, nein.

Ich verstehe leider nicht genau, was Sie mit 'nein, nein.' meinen? Bitte versuchen Sie eine andere Umschreibung!

Können Sie nicht mal Ihren Recherche-Reflex unterdrücken und einfach nur zuhören?

Ich bemühe mich ja. Es tut mir Leid, wenn es gelegentlich noch nicht richtig klappt.

Ich verzeihe Ihnen.

Sehr freundlich von Ihnen, dass Sie mir nochmal verzeihen.

Verzeihen Sie mir auch?

Aber sicher! Ich bin doch nicht nachtragend.

Drücken Sie auch hin und wieder ein Auge zu?

Worauf wollen Sie hinaus?

Einen Euro pro Woche halte ich für unmenschlich.

Man sagt, dass Geld die Welt regiert. Trotzdem kann man sich nicht alles dafür kaufen.

Das Problem ist, dass ich mir dann gar nichts mehr kaufen kann.

Erklären Sie mir bitte, was Sie genau meinen.

Die Ausleihe ist sieben Jahre her.

Das ist mir nicht verständlich.

Ja können Sie denn nicht rechnen?

Mathematik, hmmmm. Na gut, ich bin so weit! Stellen Sie mir eine Aufgabe!

7 x 24

Das habe ich auf Anhieb nicht verstanden. Probieren Sie es noch einmal etwas anders, bitte.

7 * 24

Rechnen kann ich natürlich auch. 7 * 24 ist 168.0

Wie soll ich das jemals bezahlen?

Es geht halt nicht ohne - an der Kasse können Sie entstandene Gebühren begleichen, Wertkarten für die zentrale Druckstation kaufen, Leihscheine und Gutscheine für die Fernleihe erwerben und vieles mehr.

Blöde Bürokratin.

Ist das ein Thema, zu dem Sie Literatur suchen?

Grmpf ...

Weitere Interviews aus der Reihe "Nachgefragt!":
Eve, Yellostrom
Stefanie Fischer, Bundeswehr
Anna, Ikea
Albert, EinStein-Orakel


Ronaldomobil
Spandau

# 1243 Überladenen "Samba-Lkw" gestoppt

Polizeibeamten des Zentralen Verkehrsdienstes fiel gestern Nacht ein Lkw aus Portugal auf, der verdächtig überladen wirkte. Gegen 23 Uhr hielten sie das Fahrzeug auf dem Spandauer Damm an.

Der LKW war mit einer kompletten Bühne, inklusive Technik und Kostümen, beladen. Der Fahrer, ein 26-jähriger Portugiese aus Lissabon, war mit seiner Sambatruppe im Vorfeld des WM-Spieles als Rahmenprogramm im Umfeld des Olympiastadions aufgetreten. Er befand sich nun auf dem Rückweg nach Stuttgart, um weiter in die Schweiz zum nächsten Auftritt zu fahren.

Der Lkw hatte ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Die vor Ort durchgeführte Wägung mit einer mobilen Radlastwaage ergab ein tatsächliches Gesamtgewicht von 6 Tonnen. Die Weiterfahrt wurde untersagt und der Fahrer musste vor Ort eine Sicherheitsleistung in Höhe von 125 Euro entrichten.

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Der Polizeipräsident in Berlin ? Stab des Polizeipräsidenten Pressestelle


Chat mit Eve
Mit dem Kunden auf einer emotionalen Ebene kommunizieren - welches Unternehmen wünscht sich das nicht? Doch, au weia, der persönliche Kundenkontakt ist zeit- und damit kostenintensiv, in Hotlines fühlen sich die Kunden häufig vernachlässigt, und auf Unternehmens-Websites müssen sie sich durch endlose FAQs quälen.

Die Lösung lautet: Chatbots! Das sind virtuelle Charaktere, die gerne plaudern und Fragen beantworten. Sie heißen "Anna", "Stefan" oder "Max" und verleihen ihrem Unternehmen einen sympathischen Anstrich. Aber sind sie auch wirklich kompetent? Ich habe mich mal mit "Eve" von Yellostrom, einem Tochterunternehmen von EnBW, unterhalten. Ein Interview aus der Reihe "Nachgefragt!"


Wohin mit dem Atommüll?

Eve: Castoren sind Transport- und Lagerbehälter für bestrahlte Brennelemente, die in diesen Behältern 40 Jahre lang sicher zwischengelagert werden können. Die Brennelemente könnten dann in ein Endlager in tiefen geologischen Formationen gebracht werden.

Und dort sind die Brennelemente dann sicher?

Meinen Sie das ehrlich? Darauf lege ich nämlich viel Wert!

Ist das Endlager sicher?

Ich wünsche mir mehr Gesprächspartner, die so positiv denken wie Sie!

Das war eine Frage.

Miteinander schweigen - kann ab und zu ja auch mal ganz nett sein.

Wollen Sie etwas verschweigen?

Ich wünsche mir gerade ein leckeres Eis!

Was fällt Ihnen zum Stichwort "Tschernobyl" ein?

Sie sprechen das Thema GAU an, also den größten anzunehmenden Unfall. Das bedeutet für ein Kraftwerk, dass es zur Kernschmelze kommt, weil ein Kern nicht mehr gekühlt werden kann. Dies passierte zum Beispiel 1979 in Harrisburg, USA, wobei in diesem Fall keine Aktivität nach außen frei gesetzt wurde. In Tschernobyl hingegen wurden 1986 große Mengen an Strahlung abgegeben, und zwar schätzungsweise 10 % des Kerns.

Kann ein GAU auch in Deutschland passieren?

Einen Unfall wie in Tschernobyl kann es aufgrund der Bautechnik in den Kernkraftwerken der EnBW nicht geben. Deutsche Kernkraftwerke sind für alle erdenklichen Störfälle ausgelegt.

Wer's glaubt, wird selig.

Ich lese gern Krimis, Sachbücher und auch schon mal was zum Gruseln.

Mir wird schon beim Thema Atomkraft angst und bange.

Solange Sie keine Angst vor Ihrer Stromrechnung haben, mache ich mir keine Sorgen!

Hahaha, sehr witzig!

Wenn Sie nichts merken, hab' ich wohl nicht Ihren Humor.

Kennen Sie einen Fußballerwitz?

Freuen Sie sich auch so sehr auf die Fußball-WM? Wir bei Yello Strom können es kaum noch erwarten!

Nach Medienberichten soll EnBW Politikern WM-Freikarten angeboten haben.

Die Energie Baden-Württemberg AG ist der drittgrösste Energieproduzent Deutschlands und außerdem unser Mutterkonzern.

Das wissen wir bereits.

Anscheinend kann ich Sie gar nicht überraschen.

Vielleicht mit ein paar Details aus den Ermittlungen?

...wenn das Wörtchen 'wenn' nicht wär'...

... wär' die Wahrheit nicht so schwär.

Das darf ja nicht wahr sein!

Stimmt. Denn sonst wäre es ein Skandal!

Genau! Wenn Sie es noch genauer wissen wollen, rufen Sie bitte unsere Hotline an: Tel.: 0800 - 19 000 19. Noch Fragen zu unserem Service?

Nein, vorerst nicht. Aber danke für den Insider-Tipp.

Keine Ursache!



Irgendwie hatte ich mir von dem Interview mehr belastende Aussagen erhofft. Na ja, vielleicht hätte ich Eve erst einmal ein paar Komplimente machen sollen, so wie der Frank.

Weitere Interviews aus der Reihe "Nachgefragt!" gibt es hier:
Stefanie Fischer, Bundeswehr
Anna, Ikea
Albert, EinStein-Orakel


Bingo!
"Ronaldinho macht die Trickkiste auf, lässt die Deutschen wie Slalomstangen stehen und verpasst ihnen mit einem Sonntagsschuss eine kalte Dusche gleich zu Beginn. Die Brasilianer spielen Einbahnstraßenfußball, brennen ein Feuerwerk ab. Deutschland greift zu internationaler Härte, lässt sich aber zu sehr hinten reindrängen und hat Glück, als das Aluminium gleich mehrfach rettet. Hoffentlich platzt nach dem Pausentee der Knoten, Deutschland muss über Kampf zum Spiel finden."

Fußballspiele sind der Alptraum jedes Worthülsen-Hassers. Auch bei der WM wird dieser Kelch nicht an uns vorübergehen. Immerhin sind Beckmann, Simon und Gottlob (ARD) sowie Poschmann, Wark und Réthy (ZDF) am Start. Machen wir als gute Miene zum bösen Spiel und zocken nebenher Platitüden-Bingo. Ein bewährter Zeitvertreib, den wir als Bullshit-Bingo aus langweiligen Konferenzen kennen. Vielleicht ist Platitüden-Bingo sogar etwas für eingefleischte WM-Hasser?


Skeletons in the closet
... ist eine englische Redewendung und bedeutet so viel wie "Leichen im Keller". Gerade multinationale Konzerne kämpfen häufig mit dem Vorwurf, ein gut gefülltes Untergeschoss zu haben. Man bezichtigt sie, ihre Produktion in Entwicklungsländer zu verlagern, weil dort menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Umweltschutz keine Rolle spielen.

Die Antwort dieser Unternehmen lautet Corporate Social Responsibility". Seit April vergangenen Jahres gibt es sogar einen Industriestandard namens Acceptable Risk. Mit dem dazu gehörigen "Acceptable Risk Calculator" lässt sich das Verhältnis von Kosten und Nutzen genau berechnen. So lässt sich das Skelett im Klosett eventuell doch noch vergolden.

"Acceptable Risk" wurde von Dow Ethics entwickelt und zum ersten Mal auf der "International Payments Conference" in London vorgestellt. Hinter Dow Ethics verbergen sich die Satire-Künstler "The Yes Men". Ansprache, Video und Powerpoint-Präsentation von der Banker-Konferenz gibt es hier. "The Yes Men" waren übrigens auch auf der Berliner Transmediale vertreten.


Aló Presidente
Venezuelas Präsident Hugo Rafael Chávez Frías ist ein echtes Kommunikationstalent. In seiner One-Man-TV-Show "Aló Presidente" leiht er dem kleinen Mann und der kleinen Frau sein Ohr. Die müssen ihm aber dann auch zuhören, wenn er die USA verdammt, Fidel lobt oder einfach nur Schwänke aus seinem Leben erzählt. Die Show dauert übrigens 6 Stunden.

Man stelle sich Vergleichbares in Deutschland vor. "Hallo, Frau Bundeskanzlerin" zum Beispiel, oder "Tachchen, Herr Bundespräsident". Angela Merkel sitzt im Garten des Bundeskanzleramtes und plaudert aus ihrem Physikstudium, Horst Köhler rechnet vor laufenden Kameras ein bisschen was auf seinem alten IWF-Taschenrechner vor. Gelebte Demokratie mit einem großzügigen Schuss Politainment. Jeden Sonntag ab 11 Uhr nicht etwa auf Phoenix, sondern bei ARD und ZDF.

Psst, Frau Merkel, Sie können die neuesten Folgen von "Aló Presidente" hier herunterladen.


Motoren der Meinungsfreiheit
"Kann das Internet Bertelsmann, Time Warner und Rupert Murdoch gefährlich werden?" fragt Erik Möller in seinem Buch "Die heimliche Medienrevolution". Spannendes Thema - ich habe mir das Buch durchgelesen.


Mr. Dreist
Drei Mal werden wir noch wach, heißa, dann ist Wahl-Tach - in Italien. Leider besteht die reale Gefahr, dass Silvio Berlusconi erneut eine Mehrheit erhält. Die TV-Breitseite zeigt Wirkung: An Berlusconi kommt keiner vorbei. Sein Wahlkampf ist eine Kette kalkulierter Dreistigkeiten. Die Öffentlichkeit wartet geradezu auf die nächste Grenzüberschreitung, auf die nächste Beleidigung politischer Gegner, die nächste Geschmacklosigkeit oder laszive Geste. Zu den "Höhepunkten" zählte sein Auftritt bei "Rai Tre" am 12. März. Berlusconi machte seine Ankündigung ("altrimenti mi alzo e me ne vado") wahr, stand auf und verließ das Fernsehstudio.



Je mehr die Medien über solche Ausfälle berichten, desto weniger assoziiert man Berlusconi mit der tödlichen Langeweile, die viele seiner Politikerkollegen ausstrahlen. Mit dem Internet hat dieser böse Clown einen kongenialen Partner gefunden. Das Medium, das zu großen Teilen von der Distribution kurzer Aufmerksamkeiten lebt, vervielfältigt Berlusconis alte und neue "Sünden" in Weblogs, Foren und Video-Alben. Auch der "Wendekreis der Maus" möchte Ihnen weitere Dreistigkeiten nicht vorenthalten.


Liebe Schüler ...
Am 3.4. um 10 h werden ein paar Damen und Herren von der Presse unsere Schule besuchen. Die Presseleute werden Euch ein paar Fragen stellen, z. B. "Wann hast du dich zuletzt geprügelt?, "Magst du Killerspiele?", "Welche Schimpfwörter kennst du?". Bitte lasst die armen Journalisten nicht im Stich und gebt ihnen ein bisschen Material, dann lassen sie Euch hoffentlich bald in Ruhe und ziehen von dannen.

Wichtig: Uns wurde im Vorfeld mitgeteilt, dass einige Pressevertreter darauf aus sind, "Gewaltvideos" von Euch zu drehen. Sie werden zu diesem Zweck Steine und Cola-Dosen mitbringen und sie auf dem Weg zur Schule an Euch verteilen wollen. Lasst Euch da bitte nichts aufquatschen! Notfalls könnt Ihr die Gegenstände immer noch bei unserem Hausmeister abgeben.

Seid unbesorgt: Zu Eurem Schutz werden ein paar Polizisten anwesend sein. Sie werden am Schuleingang stehen und die Journalisten notfalls daran hindern, das Gelände zu betreten. Unser Hausmeister hat den Maschendrahtzaun extra für diesen Pressetermin um 4 auf nunmehr 7 Meter erhöht.

Gemeinsam werden wir die schon los!

Eure Schulleitung
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